Über Statistiken und Food Waste

Bild: WordPress

Ich liebe Statistiken, am liebsten Lebensmittel-Statistiken. Vor einigen Monaten z.B., überraschte mich die NZZ mit einem Bericht über die unheimlich hohe Menge an Nahrungsmitteln, welche in Schweizer Haushalten angeblich jährlich verschwendet werden. Ich konnte nicht glauben, dass auch ich dazugehörte! Ich schämte mich schon für meine Ignoranz, meine Völlerei, mein offensichtliches Luxusleben und sorgte mich um die Zukunft meiner Kinder!

Ja, ich gestehe, ich experimentiere viel in der Küche. Manchmal misslingt ein Rezept und landet tatsächlich gelegentlich komplett im Grüncontainer. Schande. Darum wollte ich es genau wissen. Ich holte Stift, Papier und Rechner, wog meinen halbvollen MüllEx-Eimer, konzentrierte mich und kam… auf ein viiiiel, viiiiiel tieferes Resultat! Sicherheitshalber liess ich meinen Zahlenakrobat-Mann nachrechnen! Aber auch der kam auf meine Zahlen! Was für eine Freude (auch, über meine Rechenkünste)!

Letzte Woche habe ich wieder gerechnet, aufgrund einer anderen *ähnlichen Studie und eines ausnahmsweise übervollen MülleEx Eimers (auch ein misslungenes Koch-Experiment). Hier das Resultat; Inhalt, vier Tage alt, 3.1kg schwer. Darin ist das Knochengerüst eines Huhns, Bananen-, Bohnen-, Kartoffel- und Rüeblischalen, Peperonikerne, Auberginen- und Zuchettistrünke, drei frische aber stark schwefelig riechende Eier, ungeniessbares Gemüse aus einem Eintopfexperimet (violette Süsskartoffeln), ein ganzer, vergessener und schon angebräunter Eisbergsalat. Gruselig. Sicher, die Hälfte zählt nicht als Verschwendung – aber die andere Hälfte, also rund 1,5kg, sind pure Verschwendung! Die hätte ich bei richtiger Zubereitung, Lagerung & Planung bzw. bei richtiger Deklaration essen können müssen. Jetzt wird es zu Biogas.

In Franken konnte ich es übrigens auch noch rechnen… ich hatte sozusagen CHF 10.– weggeworfen. Wäre das jede Woche so, wären es CHF 520.– im Jahr. Aber soviel essbaren Abfall produziere ich glücklicherweise selten. Ok… vielleicht an Weihnachten (zuviel Weihnachtsgebäck), Ostern (zuviele bemalte Eier), September und Oktober, wenn so viel Gemüse und Früchte reif sind, dass vor lauter Auswahl viel zu viel im Einkaufskorb landet. Ja… und Beeren – die gehen so schnell kaputt! Und hui.. bzz, auch eine Wasabipaste habe ich gefunden – aus der „Experimentier-Ära Sushi“… Aber jetzt Schluss mit Beichten! Ich habe auch daraus glernt und mir meine persönlichen 10 Food-Waste Gebote erstellt. Hier nur 6 davon…

(und wenn ich sie breche, werde ich nächstes Jahr Kartoffeln ernten gehen – alternativ, falls der Rücken wehtut… 10 x ums Kartoffelfeld laufen. Und wenn ich es nicht tue, lande ich vermutlich in der Biogas-Hölle.)

1. Es gibt keine andere Erde, als die auf der wir leben! Ehre und achte sie.

2. Lerne was über Lebensmittel, lerne Kochen und Haushalten für dich und deine Familie… damit du weniger Ärger kriegst und gesund und glücklich lebst.

3. Teste nicht ständig neue Allerwelt-Rezepte, damit du nicht auf Lebensmiteln und Gewürzen sitzen bleibst bzw. sie dann wegwerfen musst.

4. Wirf nicht gleich weg, was das Mindesthaltbarkeits- oder Ablaufdatum erreicht hat. Kontrolliere ob es gut riecht, gut aussieht und wie’s schmeckt. Aber auch altes Brot kann auf viele Arten verwendet, krumme Rüben in den Salat geraffelt, hässliche Kartoffeln für’s Püree verwendet werden. Mal Milken essen statt Filet. Welke Salatblätter im Wasserbad re-hydrieren. Zuchtpilze aufwärmen, schimmlige Käseränder grosszügig abschneiden, Eiweisse/Eigelbe anderweitig nutzen…

5. Du sollst nicht gierig nach mehr lechzen als du essen kannst. Du sollst nur soviel Frischprodukte einkaufen/Essen zubereiten wieviel du in drei Tagen auch essen kannst. Beachte auch: Kleiner Mensch, kleine Lebensmittel(packungen). Grosser Mensch, grössere Lebensmittel(packungen).

6. Liebe deine Erde und deinen Nächsten: Was du zuviel hast, kannst du einkochen, einfrieren, einmachen, der Familie oder Nachbarn verschenken oder an einem Markt verkaufen.

Amen… so, jetzt gehe ich mich mal vorbereiten auf den Kartoffelfeld-Lauf.

* ETH Studie, Okt. 2019: Lebensmittelverluste in der Schweiz
Weiterer Link: Food-Waste Markt.

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