Die Schoggihasen-Invasion

Bild: privat

Als unsere Kinder noch etwas jünger waren und wir den Osterbrunch ausrichteten, kamen sie in Scharen „angehoppelt“… riesige Hasen mit Fussball unter den Pfoten, mittelgrosse von meinen Geschwistern, ein paar Lindt’s sowie sonstige Schoggigeschenke in blauen, grünen, goldigen und bunten Folien. Dankbare Mitbringsel, süss und härzig! Osterstimmung pur. Folie auf, Ohren ab, Kopf ab, Faust drauf… zack, Schoggisplitter-Party!!

Aber im August desselben Jahres, vielleicht war es auch November, lagerte die Hälfte der Hasen immer noch im Schrank – gut erreichbar übrigens auch für die Kinder. So holte ich sie mir, einen nach dem anderen – also die Schoggihasen – und schmuggelte deren Leichenteile ganz hinterhältig in die Zvieri-Brötchen. Ich bat damals auch meine Familie, sich etwas zurückzuhalten mit dieser grosszügigen österlichen Geste. Was nicht so gut ankam… „Undankbar, sooo streng, gönn doch deinen Kindern was….“ und wir bekamen seither nie mehr Schoggihasen geschenkt.

Heute würde ich die Hasen natürlich dankend annehmen um daraus eine Mousse au Chocolat zu machen. Vielleicht auch eine Schoggicreme, einen Vulcano Cake, eine Ganache oder ein Mole Poblano. Weil, so ganz einfach ist das gar nicht. Denn…

Es beginnt ja alles mit einer Kakaofrucht (in diesem Link ist gut beschrieben, was damit geschieht). Wichtig für diesen Beitrag hier ist, dass es für die Herstellung der Tafelschokolade eine Kakaomasse braucht – bestehend aus Kakaobohnen, welche wiederum aus rund 50% Kakaofett bestehen. Dieser Kakaomasse werden Zucker und je nach Sorte noch mehr Kakaofett bzw. weitere Fette (manchmal auch ungesund gehärtete, Butterrein- oder andere Pflanzenfette), Milchpulver, Aromen, Nüsse, Früchte, etc. zugesetzt. Das bedeutet: Wenn auf der Milchschokolade-Verpackung unter den Zutaten „mind. 30% Kakaoanteil“ geschrieben steht, ist möglicherweise tatsächlich nur 8g reiner Kakao enthalten. Eine Schokoladenreihe hat demzufolge nur Spuren von Kakao, und sonst vorallem nur Fett, welches auch immer, und Zucker. Klar, wichtig ist, dass sie schmeckt! Der Kakaoanteil ist aber doch sehr wichtig, wenn du diese Hasen-, Küken- oder die einfache Tafelschokolade weiterverarbeiten möchtest. Darum also….

Bist du mit einem ganz dunklen Hasen beschenkt worden, einem der knackt und bröselt beim Brechen, der beim Reiben zwischen Zeigefinger und Daumen fast komplett in die Haut zieht und nur ein bisschen Pulver hinterlässt? Steht auch nichts über Milchpulver bei den Zutaten? Dann handelt es sich um Zartbitterhasen, „saubere“ Schokolade aus viel Kakao und reiner Kakaobutter. „Viel“ ist gesetzlich nicht definiert, aber ab 65% Kakaoanteil kann man von Zartbitterschokolade reden. Wenn dir dieser Hase nicht schmeckt, kannst du ihn zumindest in eine Gesichtsmaske verwandeln. Möchtest du ihn doch fürs Schokoladendessert verwenden, könnte es sein, dass deine Dessertkreation trocken, krümelig oder zu klumpig wird, wenn du sie nach Grossmutter-Rezept zubereitest. Dies insbesondere dann, wenn auf der Zutatenliste Kakaopulver steht. Darum benötigen diese teuren und edlen Schokoladen in der Regel mehr Kakaofett für die Weiterverarbeitung, wahrscheinlich auch Zucker. Bei Mole Poblano, müsste der Hase mind. 90 % Kakao enthalten.

Diese Zartbitter-Schokoladen werden in den Medien oft als gesund angepriesen. Deine histaminintolerante Tante könnte davon einen schönen Migräneschub bekommen, und der Cadmium Gehalt könnte auf die Nieren schlagen. Gesund gilt also nicht für alle.

Ist dein Hase dunkel, aber die Zutatenliste auf der Verpackung verrät, dass vorallem Zucker drin ist und Milchpulver, so handelt es sich um einen klassischen Milchschokoladehasen. Eine Tafel besteht zu 40 – 60% aus Kakaomasse. Du kannst daraus die allermeisten Schokoladendesserts zaubern, und dabei auch Zucker und Fett sparen. Steht auf der Zutatenliste Kakaopulver, dann lieber keine Kuvertüre damit versuchen. Für die Herstellung des Kakaopulvers wird den Bohnen das Fett entzogen und es entsteht ein mehliges, bitteres Pulver, welches nie schön glatt sein wird und glänzen kann, wie es sich für einen Überzug gehört. Aber Schoggicreme geht.

Ist dein Hase bleich, ist vielleicht viel Kakaofett drin aber kaum Kakao. Der Mindestanteil an Kakao (ab Seite 24) in einer Schokolade ist in der Schweiz und im EU-Raum gesetzlich festgelegt. Er liegt je nach Schokoladenart zwischen 20 und 35%. Möchtest du diese Hasen weiterverabeiten, schadet es sicher nicht, einen Löffel Kakaopulver mehr (nicht Schoggipulver, dieses hat noch mehr Zucker) und dafür weniger Zucker reinzurühren. Ansonsten wird die Geschichte seeehr süss und bleich.

Übrigens: Für’s Schokoladenschmelzen gibst du den Hasen zerstückelt in eine breite Pfanne, setzt diese auf die schwächste Herdplatten-Hitze und rührst ihn bis er geschmolzen ist. Das geht schnell, und die Masse wird nicht zu heiss. Wenn du’s nicht glaubst, gib vorsichtshalber einen EL Rahm oder ein kleinwenig Butter rein. Sobald die Schokolade geschmolzen ist, sofort in die Masse einrühren (sonst könnte sie doch zu warm werden). Hast du viel Schokolade zu schmelzen, dann ist das berühmte Wasserbad die sicherere Wahl.

Geniess die Schoggihasen!

Weitere Links:
Interessantes Buch zum Thema „Das Schokoladenbuch – von der Bohne bis zur Tafel“ von Dom Ramsey. Auf dem Markt ist es nur noch in englischer Sprache verfügbar.
Politisches zum Thema Schokolande.

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