Süsse Überraschungen…

Bild: Pexels, Malcom Garret

Vor einigen Jahren hat man ja schon über Zuckerfallen berichtet, Energydrink-, Erdbeerjoghurt- und Müesli-Würfelzuckertürme in den Medien bestaunt. Es wissen ja schon alle über alles Bescheid. Oder doch nicht? Könnte ja sein, dass du damals im Piesen Schief von Thurma warst. Hm. Wenn du das jetzt nicht verstanden hast, ist es ok. Es soll auch nur beschreiben, wie ich damals die Zuckerfallen-Infos verstanden hatte. Irgendwie schon aber eigentlich doch nicht wirklich. Hauptsächlich dachte ich damals, dass die böse Industrie uns tatsächlich mästen möchte, um unsere Körper später der Pharmaindustrie zu verkaufen. Oder so ähnlich… Darum dieser Beitrag; zum Nachdoppeln, nicht wieder Vergessen… Ich verspreche allerdings, dass ich mit diesem Beitrag niemandem die Lust auf Süsses verderben werde! Hier geht’s zu den Hard Facts:

Zucker, welcher auch immer, verursacht Karies, ist nichts für Diabetiker, kann dich übergewichtig machen – insbesondere zusammen mit Fett… also Kuchen. Zucker allein kann aber nicht für ADHS oder Krebs verantwortlich gemacht werden. Und – unser Gehirn braucht KEINEN Zucker – Kohlenhydrate aber schon, jedoch nicht aus Zucker.

Nun musst du wissen, was Zucker ist….

Der hier im Handel erhältliche Zucker wird vorwiegend aus Zuckerrüben (Schweiz und Europa) oder Zuckerrohr (meist ausserhalb Europa) gewonnen. Die „Vollkorn-Variante“ wird Rohzucker (aus Zuckerrüben) oder Rohrohrzucker (aus Zuckerrohr) genannt. Muscovado- oder Demerarazucker sind auch Zuckerrohr-Erzeugnisse. Diese Zuckerarten sind dunkel, haben einen besonderen Beigeschmack, welcher Desserts, Saucen und Marinaden eine interessante Geschmacksnote geben kann. Zucker aus Kokos- und Dattelpalmen sind hierzulande ebenfalls erhältlich (Kokosblütenzucker und Palmzucker). Alle diese Zuckerarten unterscheiden sich tatsächlich in Geschmack, Textur und in der Süsskraft – aber nicht was Kalorien betrifft. Es gibt darunter auch keinen „gesünderen“ Zucker! Die Informationen über Kalium, Zink und blabla sind zwar keine Lüge aber eher als Verkaufsförderung, Rechtfertigung für die hohen Preise und die weite Reise ins Verkaufsregal zu betrachten. Alle diese Zuckersorten liefern uns die gleiche Menge an Kohlenhydraten wie der gewöhnliche schneeweisse, raffinierte Haushaltszucker. Weisser Zucker kann auch aus Zuckerrohr stammen. Rohzucker ist Rohzucker, brauner Zucker ist raffinierter Zucker mit Zuckerkulör (E 150, ein Farbstoff) – weil es sich besser verkauft bzw. den ästhetischen Geschmack einer breiteren Masse trifft. Dies muss nicht einmal angegeben werden. Gewöhnlicher Zucker ist billig, besonderer Geschmack teuer.

Zuckeraustauschstoffe
wie Xylit, Stevia, Erythrit, etc. schmecken auch süss, greifen die Zähne nicht an, sind für Diabetiker geeignete Süssungsmittel und liefern je nach Sorte weniger als die Hälfte bis gar keine Kalorien.

Dann gibt es noch Süssstoffe, die gelten technisch als Zusatzstoffe, haben eine E-Nummer z.B. E 950 (Acesulfam K) und einen ADI-Wert. Gesundheitlich betrachtet sind einige davon umstritten, da sie zu vielen Lebensmitteln zugefügt werden und viele Menschen, auch Kinder, zuviele dieser Lebensmittel gleichzeitig und tagelang zu sich nehmen. Süssstoffe sind für Diabetiker geeignet, verursachen keine Karies und liefern keine Kalorien.

„0% Zucker“, „ohne Kalorien“, „Light“, all diese Titel deuten darauf hin, dass Zuckerersatzstoffe oder Süssstoffe im Lebensmittel enthalten sind. Light-Produkte müssten 30% weniger Zucker enthalten als vergleichbare Produkte. Süss- und Zuckeraustauschstoffe sind auf der Verpackung unter Zutatenliste vermerkt – ein Muss.

Das ist aber noch nicht süss genug! Es geht noch weiter…

Weil es strenge Vorschriften gibt bezüglich des Einsatzes von Süssstoffen, also was davon WO und in welcher Menge zugefügt werden darf oder eben nicht, und wir auf Süsses stehen, auf natürliches Aussehen und bezahlbare Lebensmittel, ist die Lebensmittelindustrie erfinderisch geworden. Fructose, Vollmilchpulver, Gerstenmalzextrakt und Honig schmecken ja auch süss (relativ vollständige Liste aller Zuckernamen findest du am Ende dieses Beitrags) und sind natürliche Zucker, also solche ohne E-Nummern und ADI-Werte. Früchte, Milch oder Getreide werden so auseinanderverarbeitet, dass am Ende nur der Fruchtzucker, Milchzucker, Getreidezucker, etc. übrigbleibt und damit ganz einfach ein anderes Lebensmittel gewürzt werden kann… vorwiegend vorgefertigte Hauptmahlzeiten, Sushi, Wurstwaren, Bouillons, Salatsaucen. Sie stecken im Balsamico, in Gewürzmischungen, Currypasten und natürlich in Milchprodukten, Süssgetränken/Energydrinks/Fruchtsäften, löslichen Kaffees, Dörrfrüchten, Dessers, etc. Wie gesagt, das muss aber auch auf der Zutatenliste stehen – ausser es ist Bestandteil eines anderen Produkts, das man als Zutat verwendet hat. Beispiel ist der zugesetzte Glukosesirup oder Zucker für die Herstellung von Traubenmost beim Balsamico-Essig. Das wird nicht immer verraten, aber der Zuckeranteil auf der Nährwerttabelle verrät es.

Und jetzt? Ich habe mal nachgerechnet wieviel zugesetzten Zucker ich an einem Tag unbewusst so essen könnte. Hier das Resultat:

Schale Haferflocken, 5 g Zucker (1 TL) habe ich selber beigemischt. Zum Znüni „Nescafé Capucciono Vanilla“ getrunken. Ein Muster, das mir eine Kollegin mal dagelassen hat, 13 g Zucker. Wegen Zeitmangel wurde zum Mittagessen die Raviolibüchse aufgemacht und eine Portion gegessen. 12 g Zucker steht auf der Büchse. Dazu eine 1/2 Portion Rüebli-Fertigsalat: 10 g zugesetzter Zucker. Damit der Text schnell endet, esse ich noch ein Vanillejoghurt mit einem Zuckeranteil von 10% des Becherinhalts. 20 g Zucker wären das dann. Das macht Total 60 g Zucker/12 Würfelzucker/246 kcal/1 Magnum Glace/ein Viertel Pizza/1 Bratwurst. Oder anders gesagt, ca. eine halbe Zuckerrübe kann ich unbewusst pro Tag verdrücken. Würde ich in diesem Stil weiteressen und trinken, würde ich in 20 Tagen 1 m2 Ackerfläche benötigen, um meinen Zuckerbedarf zu stillen. Das Jahr hat 365 Tage… und ich mag nicht rechnen.

Ob man die Büchsenravioli essen würde, wenn sie weniger süss wären? Kann man ein Vanillejoghurt auch als Dessert betrachten? Wie man es dreht und wendet. Es ist zuviel Zucker in vorgefertigten Lebensmitteln, wie auch immer er heissen mag. Blöd ist auch, dass die zuckerreichen Produkte günstiger sind (bis aufs Wasser) und sich in dem Fall nicht alle eine zuckerarme Ernährung leisten können. Die Regierung hat schon einiges in Bewegung gebracht, aber solange wir an diese Süsse gewöhnt sind und alles blind kaufen, werden wir bald kugelrund oder müssen den Zuckerrüben Platz machen.

Was ich sagen will ist, dass es gut ist, mal ein Auge auf die Nährwertangaben und die Zutatenliste zu werfen. Wenn man Zucker oder süssende Stoffe auf der Zutatenliste entdeckt, wo man ihn/sie nicht haben möchte, könnte man auch nach ungesüssten Alternativen fragen. Man könnte versuchen, solche Lebensmittel seltener zu kaufen oder davon jeweils immer nur die kleinste Verpackungseinheit und das Gericht mit Rohkost zu ergänzen. Oder von Grund auf selber kochen.

Süssigkeiten machen glücklich, aber nicht ALLES muss süss sein. Bewusst Süsses essen ist super, unbewusst nicht so. Hab acht!

Weitere Links:
Wer über die Chemie des Zuckers lernen will, der/die kann hier weiterlesen.
Schöne Grafiken liefert das BLV (siehe .pdf-Fachinformation).
Empfehlungen der Gesundheitsförderung Schweiz…. ist nicht ganz einfach.

Lister der vielen Zuckernamen:

Zucker im Schweizer Handel (Brennwert rund 400 kcal/100 g)

  • Gewöhnlicher Haushaltszucker aus Zuckerrübe oder Zuckerrohr
  • Rohzucker aus Zuckerrübe oder Zuckerrohr (Cassonade) oder Vollrohrzucker aus Zuckerrohr (Muscovado- und Demerara-Zucker)
  • Palm- oder Kokosblütenzucker (schmeckt weder nach Kokos noch nach Datteln)
  • Melasse, zäher Zuckersirup aus Zuckerrübe oder Zuckerrohr
  • Panela, Gur oder Jaggery (wie Melasse aber aus Zuckerrohr, kann auch aus Palmzucker sein)
  • Daraus sind Kandis-, Hagel-, Würfel-, Puderzucker, etc. im Handel erhältlich…

Zu Zuckern/zuckerreichen Zutaten* in verarbeiteten Lebensmitteln gehören auch, wenn sie auf der Zutatenliste erwähnt sind …
* Zucker ist ein Kohlenhydrat mit einem Brennwert von 400 kcal/100 g, der effektive Zuckeranteil im jeweiligen Lebensmittel kann tiefer oder höher sein. Beispiel:
100 g Zucker = rund 400 kcal
100 g Ahornsirup = rund 270 kcal
100 g Vollmilchpulver = rund 495 kcal
Siehe auch diesen Beitrag zu den verschiedenen kcal-Werten.

  • Honig – sämtliche Sorten
  • Dicksäfte wie Agavendicksaft, Apfeldicksaft, Zuckerdünnsaft, Zuckerdicksaft…
  • Sirupe wie Ahornsirup, Dattelsirup, Karamellsirup, Maissirup, Reissirup, Stärkesirup
  • Dextrose, Galactose, Glucose, Fructose, Lävulose, Traubenzucker
  • D-Tagatose, Isomlaltuose, Maltose, Malzzucker, Raffinose, Saccharose 
  • Glukosesirup, Fruktosesirup, Fruktose-Glukose-Sirup, Glukose-Fruktose-Sirup, HighFructoseCornSirup (HFCS)
  • Malzextrakt, Maltodextrin, Dextrin oder Weizendextrin
  • Süssmolkenpulver, Vollmilch- oder Milchpulver
  • Gerstenmalz, Gerstenmalzextrakt
  • Fruchtpulpe, -püree, -mark* (wenn geschmackgebend, wird es in der Nährwertangaben nicht als Zucker angerechnet!)
  • Vaniellezucker, Vanilinzucker, gezuckerte Fruchtstücke, gezuckerte Getreideflocken, Konfitüre, Trockenfrüchte…

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