Über Stoffwechsel, Puddingvegetarier und Fiorettos

Bild: Pexels


Ich wollte eigentlich etwas über den Stoffwechsel schreiben, dann kamen mir die Puddingvegetarier und Fiorettos in die Quere. Stoffwechsel ist schwer, Puddingvegetarier einfach und Fiorettos interessant. Dieser Monat war schräg. Darum schneide ich alle diese drei Themen schräg an, wie Bruschette, und präsentiere sie als Häppchen auf dem Blog-Teller. Später einmal, widme ich jedem Thema einen Ehrenplatz. Hm. Dem Stoffwechsel vielleicht weniger.

Zur Stoffwechseldiät-Aufregung

Stoffwechseldiäten scheinen DER Renner zu sein unter den Gewichtscontrollern. Manche Stoffwechseldiäten möchten sich sogar nicht Diäten „schimpfen“, bestehen aber gleichzeitig auf strikte, zeitlich begrenzte Ernährungspläne. Anbieter solcher Pläne meinen, dass man nach Zielerreichung auch so weiterfahren könne. Ob Metabolic und Genetic Balance oder sowas wie HCG – alle Ansätze halten ihr Versprechen, solange man sich an den Plan hält. Zu Beginn dieser Diäten ist alles „wow“. Top seriös. Wissenschaftlich anmutend. Oft wird ein Bluttest gefordert. Dann geht’s los mit einem Umstellungs- und Ernährungsplan. Auf dich persönlich zugeschnitten. Nicht dasselbe wie für deine Tante – personalisiert! Man lernt neue Lebensmittel kennen, vielleicht auch lieben und merkt, welche Portionengrössen eigentlich so drin liegen. Die vorgeschriebenen Mahlzeiten bzw. Lebensmittelkombinationen sind kalorienbilanziert. Danach wird’s unter Umständen schwieriger, aber der Gedanke an die Traumfigur lässt dich weitermachen.

Du hältst durch und schaffst dein Ziel. Du verkaufst deine alten Kleider und kaufst dir neue. Machst Fotos. Badest in Komplimenten. Nur eben, hast du den Plan „zu Ende gegessen“, bist du irgendwie ratlos. Was jetzt? Der Plan hat ausgedient, schmeckt nicht mehr, und du sehnst dich nach Einfachheit, alten Gewohnheiten (auch wenn du sie anpasst). Es ist so wie mit Haarefärben. Nach einer bestimmten Zeit, wenn man nichts mehr unternimmt, nimmt die Natur Überhand. Lebst du alleine, kannst du schnell wieder „einlenken“. Musst du für mehrere Personen kochen, musst du… noch mehr kochen, denn der Rest der Familie will deinen „Geisschäs“ nicht essen. Bittere Wahrheit. Aber tatsächlich immer noch besser als jede andere Crash Diät.

Was der Stoffwechsel eigentlich ist

Der Stoffwechsel hat etwas Ähnlichkeit mit der Verdauung, nur dass man laut Lehrmeinung mit Stoffwechsel, auch Metabolismus genannt, den Teilprozess meint, bei welchem die verschiedenen Makro- und Mikronährstoffe mit den Leberzellen zusammenarbeiten. Da wird aufgebaut, abgebaut, umgewandelt und weggespült. Zum Beispiel so:

Beim Kohlenhydratestoffwechsel, wo aus Spaghetti Einfachzucker wird und dieser das Gehirn mit Energie bedient und überschüssige Kohlenhydrate zu den Fettdepots schickt. Oder. Die Fettdepots werden angezapft um Energie dorthin zu schicken, wo sie gebraucht wird (z.B. wenn keine zugeführt wird oder zuviel verbraucht wird).
Beim Fettstoffwechsel, wo aus Butter Cholesterin, Triglyceride und Fettsäuren werden und Kraft geben, oder Gallenflüssigkeit für die bessere Verdauung von Fett gebildet wird.
Beim Proteinstoffwechsel, wo sich die Pouletbrust in Aminosäuren zersetzt und die Muskeln wachsen lässt oder aus Zuviel an Proteinen „Zucker“ wird – Zucker, der dann in den Kohlenhydratestoffwechsel geht.
Beim Mineral-&Vitaminstoffwechsel, wo der Magnesiumgehalt aus dem Wasser die Muskeln entkrampft, der Zinkgehalt aus den Walnüssen die Schürfwunde heilt oder in den Wintermonaten das Vitamin-D-Depot aktiviert wird.

Komplex, nicht wahr? Welcher Stoffwechsel wie angeregt werden soll und mit welcher Methode, basiert auf Erfahrungswerten und sozusagen Ideologien. Bei allen Diäten gilt dasselbe; Zucker und Fett unter Kontrolle bringen und in Bewegung bleiben. Tatsächlich gibt es aber wissenschaftlich gesicherte Anzeichen(!), dass deine Gene dafür verantwortlich sind, dass du bestimmte Nahrungsmittel besser verstoffwechselst als andere. Nutrigenetics und Nutrigenomics heissen die Forschungsfelder. Forschung in Kinderschuhen.

So, wenn du das jetzt weisst, verstehst du, wie schwierig die Angelegenheit ist. Darum: Wenn du wirklich bereit bist ein paar Hunderter abzugeben, weil du langfristig dein Gewicht unter Kontrolle bringen möchtest, buchst du am besten eine professionelle Ernährungsberatung. Dann lernst du auch was über dein Ernährungsverhalten und unterstützst womöglich die Forschung. Und noch eine Empfehlung: Beweg dich! Übe den Handstand, streck dich, dreh dich, tanze, lache, singe, geh an die frische Luft so oft du kannst und lerne vor allem etwas über die Nahrungsmittel, die du zu dir nimmst. Das ist wahrhaftig ausschlaggebend für den gesunden Stoffwechsel! Du musst kein Spitzensportler werden, aber bewege dich.

Sei kein Puddingvegetarier!

Mein neues Lieblingswort, Fachausdruck für ein Ernährungsphänomen. Ich las es kürzlich zum ersten Mal in einem seriösen Newsletter und musste lächeln, denn es erinnerte mich an meine 20er Jahre. Ich mochte damals kein Fleisch essen, geschweige denn es zuzubereiten. Dafür gab’s reichlich Kuchen, Salzstängeli, Fertigrösti und Corn Flakes. Irgendeinmal hab ich die Auswahl ergänzt mit Zigaretten, Kaffee und Wein. Ich war also auch eine Puddingvegetarierin. So werden in Fachkreisen heute die meist jungen Menschen genannt, die kein Fleisch, keinen Fisch oder Produkte daraus essen, aber jede Menge Süss- und Salzigkeiten verdrücken, Fertigprodukte und kaum Gemüse oder Früchte zu sich nehmen. Es ist also wirklich kein Schimpfwort und auch nicht respektlos. Nur gesund ist diese Einstellung nicht. Zu viel Fett und Zucker (ob bewusst oder unbewusst) schadet auf Dauer dem Stoffwechsel. Wenn du dich angesprochen gefühlt hast, gibt’s einen guten Trick auf die „safer side“ zu gelangen: Süssigkeiten gegen Mini-Gemüse tauschen. Am einfachsten in Form von…

Rohkost. Zum Beispiel mit dem Fioretto

Es soll eine Blumenkohl-Variante sein, sieht aber aus wie weisser Broccolini – auch Bimi genannt. Ich fand ihn kürzlich im Migros-Gemüseregal für 2.80/300g, gut verpackt. Er strahlte mich an: „Nimm mich! Deine Kinder werden mich essen, denn sie essen Broccoli. Dein Mann wird glücklich sein, denn er liebt Blumenkohl. Du wirst mich lieben, weil du mich auch roh, von Stiel bis Spitze essen kannst oder kurz angeröstet, in der Bratpfanne mit Mandelsplittern und Lieblingsgewürzen, im Wok, im Curry, mit Apéro Dip – ich bin dein neues Lieblingsgemüse“. Ich kaufte die „Blüemli“ und Bingo! Es hat geschmeckt. Allerdings hatte ich nur die knackigen Röschen als Deko verwendet. Es schmeckte eher nach Kohlrabi als nach Blumenkohl. Deutlich süsser. Die Stiele wollte ich zu Suppe kochen. Die wurden allerdings – Schande über mein Haupt – von meinem Mann gütigerweise ganz unauffällig entsorgt (er liebt mich wahrscheinlich doch), nachdem innert Wochenfrist „Stirb langsam“ eingesetzt hat. Das war schlechtes Timing von mir. Aber ich kaufe die Packung wieder, und berichte darüber.

Links:
Die Verbraucherzentrale Deutschland hat zum Thema Stoffwechseldiäten auch einen Beitrag geschrieben.
Wer etwas über Fioretto lesen möchte, sucht am besten nach Biancoli oder Karifurore.

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