Über Paradiesäpfel

Bild: Chantal Garnier for unsplash

Dieser Beitrag handelt von Tomaten, Paradieser, „Rotes Gold“… viele Namen für eine Frucht, der man sogar nachsagt, ganze 23 Krankheiten heilen zu können. Hui, Health Claims mag ich irgendwie nicht, aber wenn wir schon wieder auf dem Caprese- und Gazpacho-Trip sind, könnte man sich ja ins Thema reinbeissen. Du erfährst also hier etwas über die Tomatensorten, darüber welche Tomate sich wofür eignet und über meine Erfahrungen bei der Anzucht von Tomaten (for dummies)…

Zuerst was über die Anzucht…

Es begann alles mit einem Pixi Büchlein, aus welchem ich meinem Sohn immer vorlesen musste. Darin stand geschrieben, dass man die Samen einer Tomate nur in die Erde drücken kann und schon würde ein Tomatenstrauch wachsen. Kinderleicht! Voller Vorfreude, setzten Sohnemann und ich also ein paar Samen direkt aus einer feinen Tomate in einen Topf Erde. Leider blieb’s bei der Vorfreude, denn die Ernte blieb aus. Wir machten es dann richtig. In den darauf folgenden Jahren wurden wir immer besser und konnten sogar etwas ernten… sehr bescheidene Mengen allerdings. Mit den Jahren verlor Sohnemann das Interesse am Tomatenkübel, und ich lernte, dass

– gewisse Sorten so gezüchtet sind, dass sie keine weiteren Früchte geben
– also etwas Kenntnisse über Saatgut gut tut… nicht Pixi-Büchlein glauben!
– Dünger den Ertrag steigert
– Tomaten sehr viel Sonne brauchen (ein buschiger Strauch nicht so optimal ist, also Triebe wegknicken!)
– Tomaten sehr viel Wasser brauchen, aber gar keinen Regen mögen.

Die Produktion ist vorübergehend eingestellt. Spass gemacht hatte es trotzdem. Die Wespen blieben uns fern und es roch irgendwie ganz gut auf dem Balkon.

Welche Tomate wofür verwenden

Während die Tomatensträucher wuchsen – oke, genau genommen, viel früher – fragte ich mich, wie es denn möglich ist, dass die Tomaten im Caprese-Salat auf den Fotos immer so schön auf die Mozarellascheiben passen. Ich guckte meine runde wohlriechende Rispentomate an – damals DIE perfekte Tomate – dann das Foto und begann mich „dumm“ zu schneiden und drapieren. Ernsthaft! Bis ich die San Marzanos und Perrettis entdeckte. Die stecken normalerweise in den Pelati-Dosen. Sie schmecken beide gleich – aber fürs Foto, sind die sogenannten Flaschentomaten (ja, Flaschen) perfekt! Sie haben Biss, sind fest und arm an Samen, perfekt für Sugos, Salsas, Caponata, Crostini, Pizzabelag und sogar für den Grill,

Willst du aber Tomaten mit Reis und Fleisch oder mit was auch immer füllen, eignen sich die riesigen, schweren Fleischtomaten. Ochsenherze gehören dazu, die Berner Rose auch. Sie sind wegen der Form leichter zu füllen, halten die Masse besser und machen die Füllung saftiger. Auch Ofentomaten, Moussaka, Hirten-Salat und Ajvar schmecken besser mit Fleischtomaten. Der Wassergehalt ist etwas höher als bei den Marzanos/Perrettis und die Haut etwas dünner. Hast du keine gefunden, kannst du auch die gewöhnlichen runden Rispentomaten verwenden. Manche nennen sie auch Plastiktomaten.

Spiesschen, Apéroplatten, Sandwiches und instagrammable Spaghettisaucen sind was für Cherry-, Cocktail- oder Datteltomaten. Bunt gemischt am liebsten. Vielleicht nur die mit der dünnsten Haut verwenden. Sie eignen sich auch als Bürosnack, Nasch-Alternative und Tischdeko. Sie sind schnell gerüstet und passen fast überall rein!

In die Suppe, den Salat, das Chutney und den Smoothie kann man alle Tomatensorten, inkl. Cherrys werfen. Viele Tomaten aus dem Detailhandel – aber auch vom Markt – haben eine zu dicke Haut. Das kann auf die Verdauung schlagen. Manche Tomaten kann man richtig schälen, andere muss man vor dem Häuten blanchieren.

Diesen Sommer stellte ich fest, dass verhältnismässig viele verschiedene Tomatensorten auf den Märkten angeboten werden. Eine richtig farbenfrohe Angelegenheit! Aromatico, Berner Rosen, Black Cherrys, Cuore di Bue/Ochsenherz/Coeur du Boeuf, Fleischtomaten, Honigtomaten, Peretti/San Marzano, Rispentomaten, Monte Rosa. Im Delikatessenladen glänzen aus dem Körbchen: Blue Beauty, Green Zebra, Feuerwerk, Teton de Venus, Ananastomate. Auf dem lokalen Markt, noch etliche selbstgekreuzte, auch namenlosen mehr. Mittlerweile berichten seriöse Quellen von über 3000 verschiedenen Sorten. Könnte heiter werden in Zukunft!

Warum jetzt soviel Vielfalt, und warum bei Tomaten und nicht bei Gurken oder Rüebli? Wer weiss, vielleicht weil die bekannten und ewig haltbaren Gewächshaus-Tomaten zu jeder Jahreszeit extrem gefragt sind und einen sicheren Ertrag darstellen (Hierzulande hätten sie zwischen April und November Saison)? Weil man Angst hat, dass sie bald alle aus China kommen (siehe Video unten in den Links)? Ich will’s gar nicht wissen, aber bin dafür, dass die lokale Artenvielfalt bestehen bleibt, ein paar alte unverfälschte Sorten… und ein paar neue Kreuzungen ab und zu.

Meine Lieblingstomate

Dieses Jahr übrigens, habe ich mich wieder durchgekostet und tatsächlich geschmackliche Unterschiede entdeckt! Es gibt süssere und säuerlichere Tomaten, solche mit dicker Haut und solche mit ganz dünner. Die meisten schmecken ähnlich – wässerig, leider. Doch ich habe einen neuen Favoriten nebst der Berner Rose: Die FeuerwerkTomate. Es ist eine dünnhäutige Fleischtomate mit leicht verhornten Streifen, orangerot, schwer, mit viel saftigem Fruchtfleisch. Die war so aromatisch tomatig, nicht sauer, ein wahrer Paradiesapfel. Ich stelle mir vor, wie ich sie vom Strauch pflücke, am T-Shirt saubermache und reinbeisse..mhhm.. Das Saatgut wäre ja erhältlich…

Falls du jetzt deine Lieblingstomate findest und sie auch im Winter geniessen möchtest… Mach eine Tomatensauce: Hier und hier (falls du nur suboptimale Tomaten hast), findest du gute Rezepte für Tomatensugo – draufklicken!


Weitere Links:
Tomatensorten, lokales Angebot
Video: 3Sat „Rotes Gold – die Geheimnisse der Tomatenindustrie

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