Sohleneinlagen für Gewichtscontrolling?

Gewichtscontrolling

Bild: Eric Mclean for Pexels

Es gibt nix was es nicht gibt an Ratschlägen, wenn man unerwünschte Fettpolster loswerden will. Von Formula-Diäten, Wunderpillen- und Ölen über Low-Carb/High-Fat und umgekehrt, Stoffwechsel-, Hormon- und Glyx-Diäten bis hin zur Kryolypolysen und zu SchönheitsOPs. Vermutlich gibt es zu jedem Buchstaben unseres Alphabets mindestens einen Namen für eine Abnehm-Wunder-Diät.

Neulich lernte ich noch was komplett Neues kennen in diesem Zusammenhang. Der Fernseher in unserer Ferienwohnung hatte keine Aufnahme-Funktion und wir mussten uns die Werbung angucken. Da kam’s: Wundersame Einlagen für dein Schuhwerk sollen Gewichtsverlust herbeiführen. Krass. Wer glaubt denn sowas? Fussreflexmassage für Gewichtscontrolling? Ich ging der Sache trotzdem nach, befragte eine angehende Naturheilpraktikerin zum Thema, hole aber zuerst mal aus….

Wie geht Abnehmen?

Du weisst natürlich, was jetzt kommt: Mehr Bewegung, weniger Kalorien. Gähne jetzt nicht. Lies weiter. Kalorienmenge reduzieren bedeutet normalerweise (falls es sowas gibt), mindestens 200kcal pro Tag einsparen. Gleichzeitig allermindestens 1200kcal pro Tag futtern – was nicht so einfach zu ermitteln ist, es sei denn, du isst nur Convenience Food (oder folgst diesem Blog)! Du selbst kennst deine Laster am besten, vorausgesetzt du weisst überhaupt, was du so isst. In den meisten Fällen reicht es schon aus, die Menge an Essen, den Fett- und den Zuckerkonsum zu kontrollieren und schon hat man die 200kcal eingespart. Fett, welches auch immer, liefert dem Körper zwischen zu 700 bis 850kcal pro 100g. Süssigkeiten liefern rund 500kcal pro 100g, oft auch mehr. Ab einem gewissen Alter und unter gewissen Umständen reicht aber auch Menge&Fett&Zucker-Reduktion nicht aus oder ist gar nicht die Ursache für die Fettpolster. In solchen Fällen, lohnt es sich, eine professionelle Beratung aufzusuchen. Also besser KEINE neue Superdiät der Tante, aus dem Netz oder dem Buchhandel ausprobieren! Es ist komplexer, als du denkst!

Unter Bewegung versteht man in den hiesigen Kreisen die Herzfrequenz in die Höhe zu jagen, die Muskeln zu trainieren und einwenig „Flanken dehnen“. Der Sprint zur Bushaltestelle hat also durchaus eine positive Seite. Muskeln produzieren könnte so aussehen: Treppenlaufen, tanzen beim Putzen, Waschkörbe oder Einkäufe „lüpfen“, den Kids oder dem Hund im Sitzen Bälle zuwerfen (Bauchmuskeln). Dann noch unbedingt frische Luft, Ruhe, Schlaf tanken und immer schön bewusst durchatmen. Das letztere muss sich manch eine:r diszipliniert antrainieren! Kein Witz. Achte dich mal!
Hast du weder Kind noch Hund, hast du Zeit für alles. Ausser du bist mehr sowas wie ein Couch Potato. Dann denkst du vielleicht an – Sohleneinlagen?

Das Interview

Sabine Hostettler, eine super sympathische angehende Naturheilpraktikerin im letzten Ausbildungsjahr, eine passionierte Kräuterhexe und schon Inhaberin diverser Diplome für medizinische Massagen hat sich bereit erklärt, meine Fragen zu Sohleneinlagen zu beantworten. Los geht’s…

Hi Sabine! Was meinst du, können solche Schuheinlagen tatsächlich helfen, Gewicht zu verlieren. Oder ist das weggeworfenes Geld?

Liebe Tatjana, danke dir für die Anfrage und die tolle Zusammenarbeit zu diesem spannenden Thema.

Die Sohlen finde ich ehrlich gesagt, nicht ideal. Ich sag’s mal so: Wer sagt denn der Sohle, welche Körperzone gerade einen Energiemangel oder einen -stau aufweist? Darum geht es in der Massage. Therapeutinnen und Therapeuten müssen die Energie zum Fliessen bringen und Staus auflösen können. Sie lernen diese Staus zu erkennen und zu behandeln. Eine starre Sohle kann das nicht so gut. Klar, auch ich teste gerne mal solche Gadgets, aber Hoffnungen auf Gewichtsreduktion würde ich mir nicht machen 😉

Sind das denn nicht klassische Triggerpunkte, welche von diesen Sohleneinlagen massiert werden?

Spannend deine Wahrnehmung! Das ist nicht ganz richtig. Die Sohleneinlagen wirken nicht auf Triggerpunkte. Die Triggerpunkte befinden sich in den Muskelfaszien und können extrem schmerzhaft sein. Sie bereiten uns diese «komischen» nicht zu definierenden Schmerzen, die oft auch ausstrahlen, häufig ausgelöst durch Bewegungsmangel oder die immer gleichen Bewegungen im Alltag. Es geht also um Schmerzbehandlung, wie z.B. beim Karpaltunnelsyndrom. Bevor man operiert, sollte man einen Therapeuten oder eine Therapeutin mit Triggerpunktausbildung aufsuchen. Die Behandlung läuft so: Man unterbricht zuerst mit einem gezielten Griff die Durchblutung beim jeweiligen Punkt. Wird der Griff gelöst, werden die Muskel-Faszien wieder mit Blut durchströmt und mit Sauerstoff und Nährstoffen mehrversorgt. Dadurch werden die Schmerzen sowas wie weggespült und triggern dich nicht mehr.

Okay, no Triggerpunkt. Dann wirken die Sohleneinlagen eher wie eine Fussreflexzonenmassage?

Eher. An den Füssen findet sich unser gesamter Körper gespiegelt. Um dies zu erklären, muss ich zuerst ein wenig ausholen. Beginnen wir beim Nervensystem. Dieses strömt von der Schaltstelle (Gehirn) aus überall hin. In unserem gesamten Körper sind Nervenfasern ins Gewebe eingebunden, welche verästelt wie die Wurzel eines Baums alles durchdringen. Im Gegensatz zu Baumwurzeln liegen diese aber nicht in unterschiedlichen Erdschichten, sondern in unterschiedlichen Schichten von Geweben, gehen also durch die Haut, Muskel, innere Organe, etc. Bildlich vorgestellt laufen die Nerven zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule hinaus und verzweigen sich. Jeder dieser «Äste» geht weiter durch den Körper und verästelt sich immer weiter, wobei jeder Nervenast durch unterschiedliche Körperareale verläuft.

An den Nervenenden werden Reize (Schmerz, Hitze, Temperatur, etc.) erfasst und über die Nervenbahnen als elektrischer Impuls ins zentrale Nervensystem geleitet. Dies ist wichtig, denn ohne das Wahrnehmen von Reizen wären wir nicht lebensfähig. Auf diesem Weg berühren die elektrischen Impulse an Knotenpunkten andere Nerven, wobei ein kleiner Reiz quasi an eine andere Stelle gesendet wird. Dies kann man sich bei den reflektorischen Therapien zu Nutze machen. Denn genau damit lassen sich bewusst Reize an den Füssen in bestimmten Zonen setzen, welche dann bei ihrer Wanderung dem Nerv entlang einen Ausflug in ein Organgebiet, z.B. in den Magen, machen. Dadurch wird in dieser Zone die Mikrozirkulation angeregt. Das heisst, mehr Blut gleich bessere Versorgung der im jeweiligen Gebiet arbeitenden Zellen und auch bessere Müllentsorgung.

… du meinst, so werden Stoffwechsel und Verdauung angeregt?

Genau. Wenn man nun die Organe welche an der Verdauung teilhaben anregt, können diese die verfügbaren Stoffe besser verwerten. Insbesondere die Leber kann angeregt werden. Die übernimmt ja wichtige Funktionen bei der Stoffumwandlung und -weiterleitung. Werden nun auch Dickdarm, Niere und Blase mit gezielten Griffen angeregt, hilft man dem Körper effektiver auch den Abfall und Schlacken zu entsorgen – also Gewicht auszuscheiden (nicht immer viel, aber immerhin!), ein besseres Energieniveau zu erzielen und sämtliche Säfte im Körper in Bewegung zu halten. So sieht es die traditionelle europäische Medizin, in der sogenannten Säftelehre.

Aber auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM) sieht das so. So greift die Fussreflexzone über die Meridiane. Meridiane sind Energielinien, sowas wie das innere U-Bahn-System, welche unseren Körper durchziehen. Ist nun eine U-Bahn Haltestelle z.B. auf der Blasen-Linie blockiert, kann dort die Energie nicht weiter fliessen. Diese Blockaden lassen sich über die Füsse lösen und die Energieverteilung im Körper in Balance bringen.

Kann man diese Äste und U-Bahnen auch selber deblockieren?

Nun, die Punkte an den Füssen regen die Blutzirkulation in den jeweiligen Zonen an und erhöhen dadurch die Aktivität. Je nach Konstitution benötigt eine solche Therapie längere Zeit und müsste regelmässig angewendet werden (2 x 30 Minuten pro Woche). Man kann es natürlich auch selber machen, wenn man das richtige Gespür hat dafür. Das wäre sogar sehr unterstützend, gerade eben wegen der Regelmässigkeit. Im Internet finden sich viele Übersichten der Zonen, nur muss man sie auch den richtigen Weg rum massieren. Man möchte ja nicht den Darminhalt in die falsche Richtung befördern. Das Hinlegen und Hinhalten ist vor allem für den ganzen Körper um einiges entspannter, da der Fokus komplett auf der Massage liegt. Zudem können in einer Therapie weitere Faktoren in den Plan mit eingebaut werden, z.B. zusätzliche Massagen und Therapien, Heilpflanzen, usw.

Welche anderen Massagen könn(t)en bei der Gewichtsreduktion helfen?

Da gäbe es die Klassische Massage. Da wird die Durchblutung und das Lymphsystem angeregt und so der Stoffwechsel gesteigert. Zudem wirkt sie entspannend, was sich positiv auf die Verdauung auswirkt. Wir können nur optimal verdauen, wenn wir entspannt sind!

In der Dorn-Therapie wird die Hardware in ein „Reset“ gebracht. Sanfte Bewegung und Druck, mit Hilfe der Patientin/des Patienten, bringen Gelenke und Wirbel an den Ursprungsort. Zum Beispiel wenn im Bereich des 12. Brustwirbels die Wirbel nicht ganz im Lot sind, wird ein Nerv gereizt, welcher normalerweise weiter Richtung Dünndarm geht. Dies kann zu Irritationen des Darms und so zu körperlichen Beschwerden führen. Biegt man nun diesen Wirbelbereich wieder gerade, kann sich diese funktionelle Darmstörung erholen und das Organ seine Aufgaben wie gewohnt meistern. So lässt sich eine Gewichtsreduktion auch mit der Dornmethode gut unterstützen.

Auriculo: Da werden Reflexzonen an den Ohren bearbeitet. Das haben schon die Piraten angewendet!

Am besten wird eine Kombination verschiedener Methoden ausprobiert, um das beste Ergebnis zu erzielen. Pflanzenheilkunde (z.B. die Aufnahme der leider verschmähten Bitterstoffe), Hydrotherapien oder eine Darmspülung können sogar mehr beeinflussen. Die Bewegung an der frischen Luft ist sehr wirksam oder Übungen wie z.B. die Bettdecke solange ausschütteln bis man Bizeps und Trizeps spürt 😉… und wohl am wichtigsten ist die positive Einstellung zum eigenen Körper! Dein Körper ist nicht nur ein isoliertes Nutzgerät. Es ist auch das Zuhause von allem was uns ausmacht, unserer Seele, unserer Empfindungen, unseres Charakters.

Hui, schön geschrieben! Danke dir Sabine für diese Einsichten! Ich küre dich hiermit zu meiner Beraterin in naturheilpraktischen Themen!

Bitte gerne! Und auf ein Andermal!

Fazit

Wer nicht mehr herumhüpfen mag wie ein junges Reh, schlecht in Kalorien-Mathe ist und die Zutaten/Nährwerte-Sprache nicht spricht, könnte es doch mal mit einer dieser Therapieformen oder den klassischen effizienteren Bitterstoffen und Heilpflanzen versuchen. Das lenkt von Sohleneinlagen, Diäten und der Waage ab und eröffnet neue Horizonte. Vielleicht sind die Fettpolster danach gar nicht mehr der Rede wert.

Sabine praktiziert übrigens in Schwarzenburg, in der Praxis Steinhaus. Wenn du in dieser Region zuhause bist, melde dich bei ihr! Und wenn nicht; im gesamten Gantrischgebiet lässt sich wunderbar Spazieren, Wandern, Joggen und vorallem Durchatmen!

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