Über alte Schokoladenhasen

Kakobohne

Bild: Pixabay

Als unsere Kinder noch viel jünger waren und wir den Osterbrunch ausrichteten, kamen sie in Scharen „angehoppelt“… riesige Hasen mit Fussball unter den Pfoten, mittelgrosse von meinen Geschwistern, ein paar Lindts sowie sonstige Schoggigeschenke in blauen, grünen, goldigen und bunten Folien. Dankbare Mitbringsel, süss und härzig! Osterstimmung pur. Folie auf, Ohren ab, Kopf ab, Faust auf den Rest… zack, Schoggisplitter-Party!!

Aber im August desselben Jahres, vielleicht war es auch November, lagerte die Hälfte der Hasen immer noch im Schrank – gut erreichbar übrigens auch für die Kinder. Vielleicht waren auch solche vom Vorjahr (oder sogar Kläuse) dabei. Ich bat damals meine Familie, sich etwas zurückzuhalten mit dieser grosszügigen österlichen Geste. Was nicht so gut ankam… „Undankbar. Sooo streng. Gönn doch deinen Kindern was….“ und wir bekamen seither nie mehr Schoggihasen geschenkt. Bis dieses Jahr. Das waren der Grund und der Moment um diesen alten Artikel hervorzukramen, aufzumotzen und wieder zu publizieren.

Wie vermeide ich den vollen Hasenstall?

Ich würde es nie mehr vermeiden. Sag nix. Nimm die Hasen und übe dich in Dessertkreationen. Kids im Schulalter kriegen nie genug von Schokoladendesserts. Auch die Schokoladenhasen sind normalerweise über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus noch essbar. Wer mit Platzproblemen zu kämpfen hat, übt ein Schokoladendessert die Woche… das ist gut verträglich.

Vielleicht würde ich vor dem Fest auch von den Mini-Häschen aus dem Laden XY schwärmen. Denn das Problem ist, dass die Hasen schnell weggefuttert werden, zumindest ab Schulalter. Es spielt dabei keine Rolle ob der Hase 50g oder 300g wiegt. Kids ab einem bestimmten Alter vertragen das glücklicherweise, das Abendessen aber landet danach vermutlich im Tupper und drei Tage später im Abfall… und die restlichen Hasen bleiben wegen Überdosis „im Stall“.

Dieses Jahr hätte ich wahrscheinlich wohl den einen oder anderen Hasen selbst gekauft. Nach Ostern selbstverständlich, wenn die Lieblings-Hasenpackungen im Korb mit dem roten 1/2-Preis-Plakat liegen. Man will ja schliesslich auch kein Food Waste provozieren. Es wäre auch schade, nächstes Jahr keinen Hasen mehr im Regal zu finden. Aber jetzt muss ich ja gar nicht, weil wir wieder welche geschenkt bekommen haben. 4 Stück. Eine absolut vertretbare Menge. Keine übergrossen und auch keine übergewichtigen mehr. Einer ist schon Geschichte, und das Sofa braun gefärbt vor lauter Splitter.

Was tun mit den alten Hasen (den Eiern, Küken… und Kläusen)?

Damals war ich komplett überfordert und hatte keine Ahnung, was ich mit dieser Schokoladenmenge anstellen soll, ausser sie zu brechen und in Pausenbrötchen zu stecken. Heute, 7 Jahre später, bin ich um ein paar Rezepte und Erkenntnisse reicher als damals, als ich den Artikel zum ersten Mal publizierte. Wenn du nur an den Rezpten interessiert bist, spring gleich zur Linksammlung. Wenn du wissen willst, was mich so interessierte damals, lies weiter. Der nächste Absatz war für mich besonders hilfreich.

Bei fast allen unten erwähnten Rezepten, muss man die Schokoladenhasen schmelzen. Die meisten Rezepte verlangen, dass du die Schokolade im Wasserbad schmelzen sollst. Bei kleinen Mengen, also bis 100g, kannst du den Hasen aber auch nur zerstückelt in eine breite Pfanne legen, und bei der schwächsten Herdplatten-Hitze schmelzen lassen. Das geht schnell, bei diesem dünnen Guss, und die Masse wird nicht zu heiss. Wenn du’s nicht glaubst oder eine hochprozentige Tafel Schokolade verwenden willst, gib einen EL Rahm oder einen TL Butter rein. Sobald die Schokolade geschmolzen ist, spachtelst du sie sehr schnell in die Masse, am besten mit einem Teigschaber. Bleibt sie zu lange auf der Herdplatte, könnte sie doch zu warm werden. Hast du viel Schokolade zu schmelzen, dann ist das berühmte Wasserbad die sicherere Wahl.

Es gibt auch die Methode mit dem Heissen-Wasser-Übergiessen. Das funktioniert auch, wenn man NICHT rührt. Allerdings bleibt ohne Rühren der Eindruck, dass die Schokolade vielleicht doch nicht ganz geschmolzen ist. Vielleicht könnte der Schmelztest mit dem „Piekser eines Zahnstochers“ klappen.

Über die Anatomie des Schokoladenhasen

Es beginnt ja alles mit einer Kakaofrucht (in diesem Link ist einfach beschrieben, was damit geschieht). Wichtig für diesen Beitrag hier ist, dass es für die Herstellung der Schokolade eine Kakaomasse braucht. Die Kakaomasse bestehet aus den geschmacksgebenden Kakaobohnen, welche wiederum rund 50% Kakaofett enthalten. Dieser Kakaomasse werden meist viel Zucker und je nach Sorte noch mehr Kakaofett bzw. weitere Fette (manchmal auch ungesund gehärtete, Butterrein- oder andere Pflanzenfette), Milchpulver, Aromen, Nüsse, Früchte, etc. zugesetzt. Der Zusatz von Schokoladenarmoa ist verboten. 100g Schoggi liefern über 500kcal Energie, was eine ganze Mahlzeit sein könnte. Zartbitter- und Weisse Schokoladen tendenziell mehr als Milchschokoladen, wegen dem höheren Kakaofettanteil.

Der Kakaoanteil ist sehr wichtig, wenn du deine Hasen-, Küken- oder die einfache Tafelschokolade weiterverarbeiten möchtest. Darum also….

Die dunklen Hasen

Bist du mit einem ganz dunklen Hasen beschenkt worden, einem der knackt und bröselt beim Brechen, der beim Reiben zwischen Zeigefinger und Daumen fast komplett in die Haut zieht und nur ein bisschen Pulver hinterlässt? Steht auch nichts über Milchpulver bei den Zutaten? Dann handelt es sich um Zartbitterhasen, Schokolade aus viel Kakao und reiner Kakaobutter. Ab 65% Kakaoanteil kann man von Zartbitterschokolade reden. Möchtest du den Hasen fürs Schokoladendessert verwenden, könnte es sein, dass deine Dessertkreation eher herb-bitter schmeckt, trocken, krümelig oder zu klumpig wird, wenn du sie nach Grossmutter-Rezept zubereitest. Vorallem wenn auch noch KakaoPULVER im Hasen steckt. Für die Weiterverarbeitung darf also etwas mehr Fett (bei Kakaopulver!) und Zucker rein – es sei denn, das Rezept ist neu und verlangt explizit Zartbitterschokolade. Für eine Mole Poblano allerdings, müsste dein Hase mindestens 90% Kakao enthalten – versuche es also erst gar nicht.

Diese Zartbitterschokoladen werden gehypt und in den Medien oft als gesund angepriesen. Deine histaminintolerante Tante könnte (muss nicht sein!) davon einen schönen Migräneschub bekommen. Gesund gilt also nicht für alle. Wenn dir dieser Hase nicht schmeckt, kannst du ihn zumindest in eine Gesichtsmaske verwandeln.

Ist dein Hase nur dunkel, aber die Zutatenliste auf der Verpackung verrät, dass vorallem Zucker drin ist und Mager- oder Vollmilchpulver, so handelt es sich um einen klassischen Milchschokoladehasen, vermutlich aus der gewöhnlichen Forestero-Kakaobohne. Du kannst daraus die allermeisten Schokoladendesserts zaubern, auch solche, die Zartbitterschokolade verlangen. Nimm in diesem Fall je einen Löffel Zucker und Fett weniger von der Menge, wie sie das Rezept vorgibt. Nur die Kuvertüre könnte misslingen, insbesondere wenn auf der Zutatenliste Kakaopulver zu lesen ist. Für die Herstellung des Kakaopulvers wird den Kakaobohnen das Fett entzogen und es entsteht ein mehliges, bitteres Pulver, welches nie schön glatt sein wird und glänzen kann, wie es sich für einen Überzug gehört. Aber Schoggicreme geht.

Die bleichen und weissen Hasen

Ist dein Hase bleich, ist viel (im besten Fall Kakao)-fett drin aber kaum Kakao! Der Mindestanteil an Kakao (ab Seite 63) in einer Schokolade ist in der Schweiz und im EU-Raum gesetzlich festgelegt. Möchtest du diese Hasen weiterverarbeiten, schadet es sicher nicht, einen-zwei Löffel Kakaopulver mehr und dafür weniger Zucker reinzurühren, als im Rezept angegeben. Ansonsten wird die Geschichte seeehr süss und bleich.

Weisse Hasen bestehen aus einem hohen Anteil Kakaofett und höchstens Spuren von Kakao (z.B. für die Hasenaugen). Manche Menschen bekommen Pickel nach dem Konsum von weisser Schokolade. Aber in Torten und Kuchen verteilt sich die Fettmenge so gut, dass diese Schokolade auch bei solchen Problemen wunderbar verträglich ist.

Links

Interessantes Buch zum Thema: „Das Schokoladenbuch – von der Bohne bis zur Tafel“ von Dom Ramsey. Auf dem Markt ist es nur noch in englischer Sprache verfügbar.
Politisches zum Thema Schokolade. Preise, Qulitäten auf dem Weltmarkt.

Die Rezeptsammlung:
Für weisse Schokohasen: Weisse Schoggimousse. Himbeer-Pistazien-Biscuit-Roulade oder Rhabarber-Mousse-Torte.

Für dunkle und zartbittere Schokohasen: Schoggimousse ohne Ei, Schoggicrème, Schoggipudding. Eine Art Lava Cake. Brownie. Buttercookies mit Schokoladensplittern. Marmorkuchen. Schokoladensauce für über die Waffel (kann auch eine Reis-/Maiswaffel sein oder gar eine Frucht), den Pancake oder in eine Crêpe. Eine Schokoladenglace. Schokoladenmilch. Schoggi-Popcorn, -Puffreis oder -Energy Balls. Schokolade aus Schokolade machen…. und gleich auch die Utensilien dazu.

Gutes Gelingen!

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