Das Interview mit einer Food-Instagrammerin

Bild: Azra Pranjic von Kitchen-Love.ch, Copyright

Ich nutze neuerdings aktiv meinen Instagram-Account. Nebst meinen Familienangehörigen und Freunden, die ebenfalls über ein mir bekanntes Konto verfügen, habe ich zuerst mal alle meine Starköche und -köchinnen abonniert sowie InstagrammerInnen/BloggerInnen die ich inspirierend fand. Ich fühlte mich dabei wie eine Spannerin. Aber he, sie wollen gesehen werden! Und – es ist bemerkenswert, wie viele Profis jeden einzelnen Tag Bilder, Reels (Videos) und Stories (viele Bilder oder Videos nacheinander) posten. Sie antworten tatsächlich auch auf Fragen, ja sogar auf Kommentare! Und ich dachte, das wäre ein Mythos.

Instagram liefert tatsächlich Food-Trends und Inspirationen. Im Gegensatz zu Pinterest, hat Insta einen Anfang mit einem markierten Ende und bietet eine deutlich ruhigere Ansicht – auch definitiv ruhigere als Facebook. Über Insta, lassen sich auch lokale Grössen finden. Eine von hier ist Azra von #Kitchen_love_. Ich habe sie selbst (ohne Empfehlung) aus der Masse anderer Food-InstagrammerInnen entdeckt und bald darauf „gefollowt“.

Zum Interview

Da ich schon was von ihr nachgebacken und noch mehr „zum-später-backen“ gespeichert habe – das mache ich höchstens auf Pinterest – wollte ich ihr einen Platz hier im Blog widmen. Und weil ich so eine „Gwundernase“ bin, wollte ich auch gleich wissen, wie das überhaupt so läuft mit dem Food-Bloggen. Ich habe sie um ein Interview gebeten und hey – sie hat eingewilligt! Was für eine Freude!! (Das Interview fand per E-Mail statt. Die Antworten sind lediglich etwas gekürzt. Los geht’s…)

Hi Azra, du bist für mich eine inspirierende Instagrammerin mit Fokus auf süsses und salziges Gebäck. Du schreibst Rezepte für Swissmilk, nimmst an Wettbewerben teil und verkaufst auch sehr hübsche Makramee-Arbeiten via Instagram. Was war dein Traumjob, als du klein warst?

Ich hatte keinen konkreten Traumjob als Kind. Mal wollte ich Kosmetikerin werden, mal Coiffeuse, immer was in Richtung Kreativität. Am Ende habe ich eine Lehre zur Bankfachfrau abgeschlossen und bin heute nach wie vor in der Bank tätig.

… und wie bist du dann zur Foodbloggerin bzw. Instagrammerin geworden?

Ich hatte bereits vor Jahren einen Instagram Account und einen Blog mit dem gleichen Namen. Damals hatte ich für Freunde und Familie auf Bestellung gebacken und die Werke danach gepostet (ohne Rezept). Während der Schwangerschaft hatte ich keine Lust mehr darauf und schloss den Account. Das dauerte aber nicht lange :-), denn schon im Mutterschaftsurlaub habe ich eine neuen Instagram Account gemacht und meinen Blog aktiviert. Dann nahm alles seinen Lauf. In den Schlafpausen meiner Tochter fing ich mit Backen und Posten an. Diesmal mit Rezept und Videoanleitung (via Stories). Es machte mir so Spass, dass ich dabei blieb und mich dann komplett in die Welt der Foodblogger stürzte mit allem Drum und Dran (Follower generieren, Fotografieren etc.).

„…. ich konnte den Stolz in ihren Stimmen hören…“

über Posts

Was möchtest du deiner Community mit deinen Posts vermitteln?

Gerne möchte ich meinen Followern zeigen, dass Backen keine Hexerei ist. Oft höre ich, «Das kann ich nicht». Aber jeder kann backen! Ich versuche daher meine Rezepte vor allem kurz und knackig zu halten. In der Zeit als Foodbloggerin habe ich schon so oft von verschiedenen Leuten gehört, dass sie ein Rezept nachgebacken haben und konnte den Stolz in ihren Stimmen hören. Sie hatten es geschafft und das machte auch mich glücklich 🙂 Davon möchte ich mehr, und Teilen ist doch immer am schönsten! Ich habe mich bewusst nur für Instagram entschieden, da diese Plattform für mich eine Seite für Kreativität ist. Ich möchte, dass die Leute meinen Account anschauen und frei von «Alltagsstress» sind, gerade in dieser speziellen Zeit… wer denkt schon bei Kuchen und Co. an Sorgen?

Wie sieht dein Arbeitstag aus?

Wenn ich nicht im Büro sitze, stehe ich sehr früh auf. Nicht immer freiwillig :-). Tage davor habe ich bereits geplant, was ich an meinen freien Tagen backen möchte. Nach einem Kaffee und Kuscheln mit meiner Tochter geht es los und ich backe mein geplantes Rezept. Sie hilft mir oft dabei :-), danach wird das gebackene Werk fotografiert (samt Dekor) und verkostet. Auch hier ist meine Tochter mit dabei, was nicht immer easy ist :-). Am Abend, wenn sie schläft, bearbeite ich die Fotos, schreibe das Rezept nieder, bereite einen Instagram Post vor und plane das nächste Rezept.

„…also ist Mathe doch wichtig gewesen… „

über Planung

Du lieferst jeden Tag eine Idee. Das sieht nach viel Arbeit aber auch nach Hüftgold aus! Was passiert mit diesen Speisen?

Weil ich so oft backe, habe ich mir viele kleine Backformen besorgt und backe in Mini-Version. Das bedeutet, dass ich das Rezept bis aufs kleinste runterbrechen muss – also ist Mathe doch wichtig gewesen in der Schule!! So verschwende ich keine Lebensmittel und finde fast immer Abnehmer, esse natürlich auch selbst davon. Und wenn es dann doch ganz schief gegangen ist, dann ist der Kuchen nicht zu gross für die Tonne 🙂

Ich persönlich bin entweder entmutigt, wenn ich mal auf Google/Insta/Pinterest eine Speise sehe oder aber höchst inspiriert sie nachzukochen. Der Grat ist schmal. Wie schaffst du es inspirierend zu bleiben?

Da ist die Erfahrung entscheidend. Je öfter man backt umso sicherer wird man – wie ja bei allem. So bleibt der Ansporn da, immer Neues auszuprobieren.

Was ist das Schlimmste, was dir in Bezug auf diese Arbeit passiert ist?

Hmm, zum Glück noch nichts Schlimmes 🙂 Aber ab und zu gibt es negative Kritik in Bezug auf Produkte oder andere Meinungen zu Rezepten. Doch meine Community ist sooo toll, was mich sehr happy macht und motiviert!

„Früher hat man Models engagiert um ein Produkt zu bewerben…“

über Entschädigungen

Was war dein bisher grösstes Highlight?

Es gab in dieser Zeit sehr viele. Ich durfte mit vielen Firmen zusammenarbeiten und habe kürzlich den Backwettbewerb von Dr. Oetker mit der Cookies-Crème gewonnen, wobei mein Rezept und meine Person im nächsten Buch abgebildet werden. Darüber bin ich sehr glücklich und stolz. Aber das grösste Highlight war die Anfrage von Swissmilk, für ihren Blog Rezepte zu kreieren und YouTube-Rezeptvideos zu drehen.

Herzlichen Glückwunsch zum Back-Challenge-Sieg! (Ich habe diesen Aufstrich unterdessen „vom Auge her“ nachgebacken – es hat den Tag nicht übelebt 🙂 – berechtigter Sieg!). „Chochdoch mit….“ von Swissmilk finde ich auch cool. Aber wie werden Foodblogger:innen entschädigt?

Es gibt verschiedene Entschädigungen. Oft erhalte ich Produkte zugestellt, mal im höheren und mal im tieferen Wert. Ich bin nicht so pingelig und unterstütze gerne Start-Ups damit. Wenn grössere Firmen anfragen, ist der Auftrag auch entsprechend grösser, und die Entschädigung wird in der Regel vorab definiert. Wie hoch diese ausfällt ist unterschiedlich und hängt oft vom Bekanntheitsgrad der jeweiligen Bloggerin ab – je bekannter man ist, umso mehr kann man verlangen.

Bei der Swissmilk stehe ich unter Vertrag und habe einen fixen Lohn für verschiedene Aufgaben. Der Beruf nennt sich «Protagonistin» 😀

Allgemein ist die Influencer/Blogger-Szene das heutige Marketing. Früher hat man Models engagiert, um ein Produkt zu bewerben (macht man ja heute noch), aber mit Influencern wird das Produkt meist viel ehrlicher beworben und ist näher am Mensch. Einerseits wird das heftig kritisiert, teilweise berechtigt, anderseits ist es nichts anderes als die heutige Werbung. Aber jetzt schweife ich ab. 🙂

Dein Stil ist klar. Dein Gebäck sieht wunderschön ehrlich aus, ist aber perfekt natürlich in Szene gesetzt. Dein Cruffin Rezept kenne ich (Angeberin) schon länger von anderswo. Aber dein Video dazu hat mich in die Küche getrieben. Mein Cruffin ist fast gleich rausgekommen wie deiner! Ich sehe also bei dir kein Photoshop und kaum Filter. Bei genauem Hingucken aber sehe ich auf deinen Bildern schöne Geschirrtücher, Teller, Vasen… Was verschweigen uns die Foodblogger sonst noch (… damit wir Durchschnittsköchinnen und -köche aufatmen dürfen)?

Danke! Mein Ziel ist, dass das Gebäck im Vordergrund bleibt. Darum geht es. Es sollte das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen 🙂 Aber die Deko rund um das Gebäck ist mindestens genauso wichtig! Ich suche mir laufend Geschirr, Vasen, Geschirrtücher, Blumen etc. sehr oftmals in Brockenstuben zusammen. Ich liebe es «z’nuusche». Oft erhalte ich auch von Kolleginnen Geschirr, welches sie von ihren Grosis bekommen haben. Umso schöner, wenn ich dann ein Familienstück mit ins Foto einbauen kann.

Ansonsten ist das Fotografieren eine Übungssache. Da gibt es noch so viele Tricks (Beleuchtung, perfektes Set, professionelle Kamera, etc.), ich halte aber den Aufwand so klein wie möglich. Die Fotos z.B. bearbeite ich auf meinem Handy, helle sie etwas auf und bringe mehr Schärfe rein, da das Licht nicht immer zu jeder Tageszeit optimal ist.

„Es gibt so viel Unentdecktes, das probiert werden muss“

über Inspiration

Viele Foodblogger:innen, von Übersee bis hier, posten täglich Bilder von ihren unglaublich lecker aussehenden Kreationen. 365 Rezepte jahrein-jahraus. Ich selbst bin froh, dass ich weiss, was ich diese Woche koche. Wenn es noch halb so gut aussieht wie auf Insta, fühle ich mich wie eine Königin. Woher kommt die tägliche Inspiration bei dir?

Ich sammle laufend Rezepte, die ich auf meine To-Do-Liste setze und diese dann reihenweise abbacke. Ich erfinde das Rad nicht neu. Es entsteht bei mir nichts, was die Welt nicht kennt. Was ich mache, ist das Rezept nach «meinem» Geschmack und meiner Vorgehensweise zu backen, zu notieren, umzurechnen und nach meinem Stil zu fotografieren. Vor allem mag ich es auch ausländische Rezepte zu testen und diese an meine Leserschaft zu bringen. Dabei reicht es oft, viel weniger Zucker zu verwenden als üblich wäre und das Rezept der heute bevorzugten Ernährungsweise anzupassen. Es gibt so viel Unentdecktes, das probiert werden muss.

Was ist das Allerbeste, das einer guten Foodbloggerin heutzutage passieren kann?

Das Allerbeste oder was ich mir als sehr, sehr schön vorstelle, ist ein eigenes Buch :-). Ich hoffe, es kommt mal dazu. Aber auch da lasse ich mich treiben. Manchmal entwickeln sich Sachen, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hat und welche die kühnsten Träume übersteigen.

Hast du einen Lieblingsfoodblog oder Insta-Food-Star, den du unbedingt empfehlen möchtest?

Da gibt es natürlich viele 🙂 Aber Zucker, Zimt und Liebe war eine meiner ersten Foodbloggerinnen und bleibt bis heute meine Favoritin und mein Vorbild.

Respekt und Danke Azra, vor allem für all die inspirierenden, ehrlichen Posts, Rezepte wie die Cruffins (kann auch salzig sein), die Cookie-Crème und den Schoggi-Ricotta-Gugl, aber auch die Styling Ideen.

Soll jetzt niemand sagen: „Ich habe keine Idee…“! Und wenn’s so wäre, guck dir an, was Azra schon veröffentlicht hat, auf ihrem Blog, follow #Kitchen_love_ oder Swissmilk.

Viel Spass und Erfolg!

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