Salzwasser-Drinks

Salzernte; Bild auf pexels entdekct (free)

Bild: Meersalz-Felder, UrheberIn unbekannt, free by Pexels

Lange ist’s her, dass ich geschrieben habe. Heute melde ich mich wieder, weil ich nach einer Serie von Salz-Tastings verschiedene Einsichten und Erkenntnisse gewonnen habe, die mich ziemlich staunen liessen. Eine ganz besondere Erfahrung möchte ich hier teilen. Es geht ums Salzwasser-Trinken. Ich habe das Netz zum Thema auf Deutsch, Englisch, Serbokroatisch und Spanisch durchforstet und bin zum Schluss gekommen, dass einige Influencer, Magazine und Ratgeber dies propagieren – als Mineralstoff-Booster oder Darmreiniger. Ein mir relativ unbekannter Hack oder Trend, der meiner Meinung nach, nicht so ganz harmlos ist.

Der morgendliche Salz-Shot

Es gibt nicht wenige Menschen, die den Tag mit einem Glas warmem Salzwasser starten. Sie trinken es auf nüchternen Magen und je nach eingenommener Menge soll dieses Getränk einige gesundheitliche Vorteile liefern. Viel Salz (1 – 2 Teelöffel = ca. 10gr) verhilft zur schnelleren Darmentleerung (Flush). Mit einer Prise kann man gewisse Formen von Kopfschmerz lindern. Und mit einer Prise mehr wird der Körper mit wertvollen Mineralstoffen revitalisiert, vorausgesetzt, man löst das „richtige“ Salz auf. Besonders oft genannt und gelobt wurde der Konsum einer bestimmten Meersalz- und einer bestimmten Steinsalz-Marke. Tatsächlich findet man für beide Salze die Analysewerte der Mineralisierung im Netz. Wenn man nachrechnet, liefert das Salz dieser bestimmten Marke auch etwas mehr Magnesium, Kalzium und Eisen als vielleicht ein anderes Salz. Aber….

Die Hintergründe

Salz enthält fast ausschliesslich Natrium und Chlorid (siehe auch einen älteren Beitrag zum Thema Salzigkeiten). Der ganze Rest an Mineralstoffen und Spurenelementen bewegt sich im Null-Komma-Bereich und deckt den Tagesbedarf knapp ansatzweise. Wenn ich ein Mineralwasser als Vergleich hinzuziehe, ist dort deutlich mehr Magnesium und Kalzium drin als in dem, was man aus der Prise (oder oft viel mehr) Salz holt. Der Salzdrink für den Flush-Effekt funktioniert, aber dafür gibt es auch genug andere Präparate.

Laut meinungsführenden Institutionen sollten 6gr Salz pro Tag* nicht überschritten werden. Wieviel Magnesium ist wohl in 5 – 6gr oder einer Prise Salz enthalten? Bei den 6gr pro Tag bedeutet das aber inklusive verarbeitete Produkte wie Brot, Reis, Käse, Wurst&Aufschnitt, Bouillons und Saucen sowie alle Fertigprodukte. Gewisse Gemüsesorten schmecken leicht salzig – dieser natürliche Natriumchlorid Gehalt wird nicht dazugerechnet.
Knabbere mal an einer Selleriestange und dann an einem Rüebli-Schnitz. Merkst du den Unterschied?

Das im vorherigen Absatz so gerühmte Meersalz kostet übrigens rund CHF 10.-/kg, das Steinsalz sogar bis zu CHF 30.-/kg (im Vgl. das günstigste raffinierte Steinsalz aus der Schweiz kostet CHF 1.-/kg, das günstigste Meersalz um die CHF 2.-/kg). Würdest du den Unterschied zwischen einem Stein- und einem Meersalz erkennen – oder zwischen dem „guten“ und dem „gewöhnlichen“ Meersalz?

Pyramidenförmiges-Meersalz (nicht alle Meersalze haben ein Pyramidenform), und rosa Steinsalz – beides Finisher-Salz. Etwas teuer für Pastawasser.

Warum Vorsicht bei der Dosierung wichtig ist

Natürlich konsumieren wir deutlich mehr Salz und fühlen uns gut dabei. Doch laut Lehrmeinung gelten alle gekauften Produkte, die auf der Nährwerttabelle 1gr Salz pro 100gr oder Portion ausweisen, potentiell als zu salzig. Wenn du ab und zu mal übertreibst, passiert meist nix. Wenn du aber all dieses Wissen ignorierst und regelmässig zuviel Salz konsumierst, könnte sich das mit den Jahren rächen. Besonders der Bluthochdruck kann Folge eines zu hohen Salzkonsums sein; denn, zu viel Salz zieht das Wasser aus unseren Körperzellen und dieses Wasser strömt in die Blutbahn – man könnte es mit Hochwasser in der Aare (oder Fluss deiner Region) vergleichen, nur einfach in geschlossen Röhren. Wenn dann dort noch ein kleines Hindernis ist, geht man im schlimmsten Fall hops. Auch Wassereinlagerungen (Augenringe) können unerwünschte Nebenwirkungen eines zu hohen Salzkonsums sein. Schlaganfälle und Nierenleiden,… und dann natürlich Krebs. Sollte man bereits ein Nierenleiden haben, wird einem eine streng salzarme Diät vorgeschrieben – wird dann nicht so einfach mit Pasta Pesto.

Allerdings; den Bluthochdruck bekommst du auch, wenn du dich regelmässig masslos aufregst.

Wenn du den Salz-Drink doch mal ausprobieren möchtest (schmeckt wirklich nicht), guck dir zuerst dein Salz an. Ist es das gewöhnliche Tafel- oder Kochsalz? Steht auf der Zutatenliste „Natriumferrozyanid“ oder „E 535“? Dann lieber nicht damit experimentieren. Das ist ein Antiklumpmittel und eigentlich sicher, aber wenn du täglich überdosierst…. Nö. Jod, Fluor, Selen oder Folsäure im Salz ist okay – hat alles sein Berechtigungsdasein, wenn auch nicht für alle Menschen. Kauf dir für solche Drinks lieber ein unraffiniertes Stein- oder Meersalz (ein tolles Finisher-Salz, dann kannst du es zumindest bei Tisch verwenden und wirkst wie ein echter Foodie). Wobei du auch hier zwischen Mikroplastik und Rückständen von Schwermetallen wählen kannst – was sich selbstverständlich auch im Mineralwasser, Gemüse, Fleisch, Fisch… findet. Also, einfach NICHT übertreiben.

Fazit

Salz ist mächtig, kann also auch Schaden anrichten. Insbesondere deine Natriumzufuhr (Sodium auf Englisch) kann sich ungünstig auf deine Gesundheit auswirken, wenn du vorwiegend sitzend den Tag verbringst. Vorzugsweise nutzt du dein teuer erworbenes Salz als Geschmacksverstärker – wie die meisten Menschen – im Salat, auf dem Fleisch, im Gemüse oder aufgelöst in der Salatsauce. Den Flush bekommst du auch, wenn du Kiwi isst, Leinsamen, zu viele Erdnüsse oder Sauerkraut. Solltest du an Verstopfung leiden, ist es besser die Ursache zu behandeln als die Darmwände auszutrocknen. Lass dich bei Unsicherheiten auf jeden Fall von einem Profi beraten. Man hat streng kontrollierte Nahrungsergänzungsmittel oder Arzneimittel entwickelt, und Profis können dir das Richtige empfehlen.

Jetzt kannst du mal die Nährwertangaben auf den Verpackungen im Kühlschrank/in der Vorratskammer checken… oder

Wenn es dich interessiert, wie die verschiedenen Salze schmecken, lass es mich wissen. Gerne organisiere ich ein Salz-Tasting mit den verschiedenen auf dem Markt verfügbaren Salzvariationen und dem einen oder andern Tipp für einen sinnvollen Einsatz von Salz in der Küche.

Ich gönn mir jetzt einen Tequila – mit Salz und Limette. Schmeckt definitiv besser als salziges Wasser.

weitere Quellen:

*Die WHO und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen empfehlen eine Maximaldosis von 5gr/Tag für eine normale gesunde erwachsene Person. Fast weltweit wird im Durchschnitt die doppelte Menge konsumiert und fast weltweit werden 5 – 6gr Salz/Tag als Höchstmenge angestrebt.

Google auch mal die Nährstoff-Infos deiner Lieblingsprodukte – hier auch zum downloaden ab Seite 40 (der opernfoodfacts, nutriscan+…. ), so bekommst du ein Gefühl für deinen Salzkonsum.

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